Osteopathie – die sanfte Heilmethode

Was ist Osteopathie ?

Bild einer osteopathischen Behandlung

Osteopathie, eine altgriechische Bezeichnung, ist eine Heilkunst, die sich mit dem Leiden der Knochen und aller damit in Verbindung stehenden Strukturen, wie Muskulatur, Bindegewebe, Bänder, Sehnen, Lymphbahnen, sogar innere Organe usw. befasst. Die Osteopathie kommt ohne Apparate, Medikamente und Spritzen aus.

Die Osteopathie, die schon 1874 entdeckt wurde, bedient sich ebenso wie die Schulmedizin der wissenschaftlich gesicherten Medizin, Chemie, Physik und Biologie zusätzlich aber auch Methoden, die erfahrungsgemäß wirkungsvoll sind, jedoch derzeit wissenschaftlich noch nicht ausreichend nachgewiesen werden können. Sie steht daher nicht der Schulmedizin entgegen, sondern ergänzt sie, jedoch auf einer anderen philosophischen Grundlage. In den USA gibt es bisher 19 rein osteopathische Universitäten, die eng mit den Schulmedizinern zusammenarbeiten. Auch in England und anderen europäischen Staaten existieren spezielle osteopathische Schulen.

Hintergrund dieser Behandlungsmethode ist die Ganzheitlichkeit, mit der ein Beschwerdebild therapiert wird. Das bedeutet, der Arzt konzentriert sich nicht allein nur auf das Schmerzsymptom in Verbindung mit Knochen, Muskulatur, Bandscheiben, Sehnen etc, sondern auf den gesamten Körper einschließlich Lymphbahnen, Bauchorgane, allgemeine Gewohnheiten, alltägliche Begleitumstände und vieles mehr. Das kostet Zeit, welche in der Schulmedizin in diesem Umfang nicht vorhanden ist.
Durch das Erfassen aller Besonderheiten des Körpers mit seinem Umfeld ist es dem Osteopathen möglich:

- ursprüngliche Störfelder, die für die beklagten Symptome verantwortlich sind, jedoch nicht unbedingt symptomatisch oder schmerzhaft sein müssen, aufzufinden und zu therapieren.

- Irritationen oder Störfelder des Körpers aufzuspüren und anschließend zu lösen, die zwar nicht direkt das beklagte Schmerzbild ausgelöst haben, jedoch die natürliche Selbstheilungstendenz ungünstig beeinflussen oder gar hemmen.

- die natürlichen Heilkräfte des Körpers wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, um eine grundlegende, längerfristige Besserung oder Heilung der Beschwerden zu erreichen.

- selbststimulierende gymnastische Übungen zu erstellen, die den Therapieerfolg mittel- bis längerfristig stabilisieren können.

Die natürlich vorhandenen Selbstheilungskräfte eines jeden Körpers sind ständig bemüht, Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. Sie sind jedoch nur wirksam, solange sich der Körper im Gleichgewicht befindet. Existieren Störungen, egal welcher Art (Alkohol, Nikotin, Fehlstellungen wie Beckenschiefstand, Minderbewegung von Organen, Nerveneinklemmungen, alte und neue Operationsnarben, Stau von Körperflüssigkeiten, Unfall oder Sturz, soziale Spannungen, emotionale Probleme oder auch Stress usw.) ist der Körper mehr oder weniger aus der Balance und die Schmerzen klingen nicht ab oder verstärken sich sogar.
Dies ist der Grund für das ganzheitliche Erfassen aller Gewebearten und sonstiger, auch sozialer Wechselwirkungen, da der Körper eine Einheit aus Organismus, Geist und Seele darstellt und all dies auf spezielle Weise miteinander verbunden ist. Gesundheit kann daher nur dann vorhanden sein, wenn alle Bereiche im Organismus harmonisch miteinander funktionieren.

Bild einer osteopathischen Behandlung

Unser Körper unterliegt vielen speziellen Rhythmen, die innerlich unter anderem der Informationsübertragung dienen. Jede einzelne Körperzelle ist hierbei miteinander verbunden. Dieser Verbindungsstoff ist das Bindegewebe, welches als Melde- und Regulationsgewebe wirkt und sich durch den ganzen Organismus hindurchzieht, wie die neuere Forschung zeigt.
Somit nimmt das Bindegewebe als Informationsträger des Körpers die überragende Schlüsselstellung für Diagnostik und Therapie ein.

Der ausgebildete zertifizierte Osteopath verfügt über außerordentliche Kenntnisse in Anatomie, Biochemie sowie über wissenschaftliche Grundlagen im Ablauf der Körperfunktionen und deren Zusammenhänge.
Wie der spezielle Weinprüfer, der Hunderte von Aromen unterscheiden kann, der Feinschmecker, der alle Gewürze aus den Speisen herausschmeckt oder der Parfümtester, der die zahlreichen Düfte zu analysieren im Stande ist, so verfügt auch der Osteopath über eine besondere Fähigkeit.
Er ist in der Lage, feinste Temperaturunterschiede der Hautoberfläche sowie die unterschiedlichsten Spannungszustände und Gewebestörungen in unterschiedlichen Schichten des Körpers mit seinen Händen zu ertasten, aufzuspüren und zu interpretieren. Er kann daraufhin auch festlegen, inwieweit z. Bsp. eine Kernspinaufnahme sinnvoll ist oder nicht und welches Ergebnis sie sehr wahrscheinlich bringen wird.

Drei Beispiele, welche das osteopathische Behandlungskonzept verdeutlichen sollen:

Ein Patient klagte über immer wiederkehrende tief sitzende Rückenbeschwerden bei sonst guter Gesundheit. Der Osteopath fand jedoch eine Nierenfunktionsstörung heraus, die bisher dem Alter zugeschrieben wurde und mit einem Medikament ohne wesentlichen Erfolg behandelt wurde. Der Osteopath behandelte daraufhin lediglich die Nieren und übrigen Bauchorgane. Der Rückenschmerz ist anschließend deutlich abgeklungen. Inwieweit besteht hier ein Zusammenhang?
Eine ungewohnte Tätigkeit in Fehlhaltung über einen etwas längeren Zeitraum löste eine Verhärtung des tiefen Hüftbeugemuskels aus. Dieser verursachte eine Druckwirkung und Einengung der darüber liegenden Niere, die zur normalen Funktion einen spannungsfreien Raum benötigt. Die Niere verbrauchte dadurch mehr Energie und schränkte ihre Funktion ein. Diese Funktionsstörung mit Minderbewegung löste immer wieder ihrerseits eine Reizung des tiefen Hüftbeugmuskels aus, der den Rückenschmerz provozierte.
Ein anderer Patient kam aufgrund anhaltender Nackenschmerzen zum Osteopathen, da keine Ursachen gefunden wurden oder Medikamente geholfen haben. Der Osteopath behandelte darauf das Sprunggelenk, mit welchem der Patient vor einiger Zeit umgeknickt sei. Obwohl keine Schmerzen mehr bestanden, lag eine Störung des unteren Wadenbeines vor, welches einen chronischen Zug auf die Waden- und hintere Oberschenkelmuskulatur verursachte. Es kam dadurch zu einer symptomarmen chronischen Blockierung des Kreuz-Darmbeingelenkes. Der Patient unterlag damals beruflichem Stress, er ernährte sich schlecht, hatte einen Bürojob und keinen Bewegungsausgleich, wodurch die Selbstheilungskräfte wesentlich überfordert waren. Durch die anhaltende Blockierung im Becken über Wochen erhöhte sich die Spannung der Rückenmuskulatur, die sich über Bindegewebszüge auf die Nacken- und Halsmuskeln auswirkte und die Schmerzen auslöste.
Die osteopathische Behandlung des Sprunggelenkes setzte schrittweise die Lockerung der Beinmuskulatur frei, die zusätzliche Behandlung des Kreuz-Darmbeingelenkes befreite die Wirbelsäulen- und Nackenmuskulatur von der erhöhten Muskelspannung und die entsprechenden Eigenübungen mit Tipps zur Veränderung der Lebensführung beseitigten die Beschwerden vollständig und dauerhaft.
In einem dritten Beispiel stellte sich eine Patientin vor, die über untherapierbare Kopfschmerzen klagte. Der Osteopath bemerkte einen stärkeren Zug der harten Hirnhaut, die sowohl Gehirn als auch Rückenmark bis in Höhe der Kreuz-Steißbeinregion umkleidet. Dies deutete auf eine Zirkulationsstörung der Hirnwasserflüssigkeit als auch auf eine Gewebestörung im Beckenbereich hin. Nach eingehender Befragung stellte sich heraus, dass eine gynäkologische Operation in der Vergangenheit eine Funktionsstörung des Kreuz-Darmbeingelenkes ausgelöst hatte und sich über das nervale System eine Kettenreaktion auslöste, welche die Kopfschmerzen verursachte. Die Erklärung dafür liegt darin, dass die Gebärmutter an Bändern fixiert und mit den Bindegewebsplatten des Beckens und Wirbelsäule verbunden ist. Auch eine Entzündung der Bauchorgane oder z.B. Eierstöcke, ein Sturz oder eine Lageveränderung der Gebärmutter kann derartige Beschwerdebilder auslösen. Nachdem der Osteopath den Unterbauch und die Kreuz-Darmbeinregion behandelte sowie die Hirnwasserzirkulation stimulierte, verschwanden die Kopfschmerzen allmählich in den nächsten Tagen und Wochen.

Zusammenfassung: Der Osteopath erfühlt mit seinen Händen Störfelder und Körperblockaden, löst diese mit sanften Methoden auf, bringt Körpergewebe ins Gleichgewicht, Flüssigkeiten wieder in normalen Fluss und aktiviert damit die natürlichen Heilungskräfte. Die Beseitigung von Schmerzen und Beschwerden wird gefühlvoll, natürlich und gezielt eingeleitet und vor allem ursächlich gelöst.

Die osteopatische Behandlung

Bild einer osteopathischen Behandlung

Der Osteopath ist kein Wunderheiler, der die Beschwerden sofort verschwinden lässt. Er spürt mit seinen trainierten Händen, seinem geschulten Blick und seinen intuitiven Fähigkeiten vielmehr Störfelder, Barrieren und Bewegungsstörungen im Körper auf, welche die natürlichen Rhythmen negativ beeinflussen und die natürlichen Regenerationskräfte hemmen. Anschließend löst er Barrieren an entscheidenden Stellen, setzt sanfte Energieimpulse an Schlüsselstellen und versetzt so den Körper in die Lage, seine Selbstheilungskräfte ausreichend zu aktivieren. Eine komplette Ausheilung kann natürlich nur erreicht werden, wenn die entscheidenden Körperstrukturen noch nicht wesentlich zerstört sind, die eine Selbstheilung ausschließen würden. In diesen Fällen käme sonst z.B. ein Chirurg zum Einsatz.

Der Osteopath setzt sich intensiv mit der Vorgeschichte des Patienten auseinander und untersucht den gesamten Körper unabhängig von dem Beschwerdebild intensiv. Für den Patienten unwichtige Ereignisse, Stürze, Verletzungen, Operationen, Narben, Infektionen usw. wecken das besondere Interesse des Osteopathen. Unter Umständen wird er Körperregionen behandeln, die mit dem derzeitigen Schmerzproblem vordergründig nicht in Zusammenhang stehen. Hierdurch werden wie bei einer Autoinspektion auch Störungen aufgedeckt und gelöst, die aktuell keine Beschwerden verursachen, jedoch eventuell zu einem späteren Zeitpunkt zu einem anderen Problem geführt oder ein anderes verschlimmert hätten.
Die Befragung und Untersuchung läuft in drei Systemen ab. Zuerst das Stützsystem mit Knochen, Muskulatur, Bindegewebe, Gelenke, Sehnen und Bänder. Zweitens das cranio-scarale System mit dem gesamten zentralen Nervensystem, Hirnflüssigkeit, Bindegewebshäute und Kreuz-Steißbein. Drittens das viszerale System mit allen inneren Organen, bindegewebigen Hüllen, Blut- und Lymph- und oberflächlichem Nervensystem.

Zusammenfassung: Die Behandlung baut sich auf genauen Kenntnissen von Anatomie, Physiologie und Biomechanik auf und entdeckt Störungen im Körper. Es steht hierbei nicht das Schmerzsymptom, sondern die ursächliche Störung, die irgendwo im Körper verborgen liegt, im Mittelpunkt. Ein tiefgreifenderes Beschwerdebild, welches nur mit einer Spritze oder Medikamenten therapiert wird, kommt häufig ungelöst wieder. Der Osteopath behandelt Kranke, keine Krankheitsbilder. Daher gibt es keine Behandlungsrezepte bei z.B. Schulterbeschwerden, Wirbelsäulenschmerzen, Verdauungsproblemen, Kopfschmerzen usw., da die Ursachen von Patient zu Patient völlig unterschiedlich sind.
Je nach Intensität und Dauer eines Beschwerdebildes kann die Behandlung nur wenige Tage bis einige Monate in Anspruch nehmen. Jedoch sollte nach jeder Behandlung eine Ruhe- und Wirkphase von 1- 3 Wochen eingehalten werden. Dies unterscheidet sich von einer krankengymnastischen Therapie, die in der Regel 2-3 mal pro Woche durchgeführt wird.

Noch ausführlicher als die Chirotherapie stellt die Osteopathie in ihrem Gesamtumfang für mich ein grundlegendes Diagnose- und Therapiekonzept dar, in welchem immer der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt steht.