Chirotherapie

Die Chirotherapie befasst sich mit den Gelenkfehlstellungen und den daraus resultierenden Beschwerden aller Gelenke. Die Grundlage der Chirotherapie ist die manuelle Medizin, deren Wurzeln bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden können. Schon in dieser Zeit wurde die Wirbelsäule als zentrales reflektorisches Steuerorgan erkannt, so dass Wirbelfehlstellungen durch geringes Abdrücken eines oder mehrer Wirbel von Hand wieder korrigiert werden konnten.

Bild einer chirotherapeutischen Behandlung

Im Mittelalter verlor sich die Bindung der manuellen Therapie zur ärztlichen Ausbildung. Es waren in dieser Zeit überwiegend Laienbehandler wie die englischen „Bonesetters“ oder die deutschen Schäfer, die eine gewisse Form von Einrenkungen praktizierten, woher auch der Begriff "Chiropraktik" seine Wurzeln hat. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Manuelle Therapie durch den amerikanischen Arzt Atkinson, durch T. Still, den Begründer der osteopathischen Schule, der Gemischtwarenhändler Palmer den Begründer der chiropraktischen Lehre oder durch den schweizer Landarzt Naegeli wieder in den ärztlichen Bereich integriert. Insbesondere T. Still verstand die Bedeutung von Wirbelfehlstellungen in so weit, dass diese über eine Druckwirkung auf Blut- und Lymphbahnen eine Minderdurchblutung verursachen und somit Krankheiten auslösen konnten.

Nach ihrem Siegeszug über Nordamerika kam die manuelle Medizin über England nach 1945 auch nach Deutschland. Es bildeten sich zunächst zwei Schulen in Isny-Neutrauchburg mit der Weiterentwicklung von Chiropraktik nach der Irritationspunktdiagnostik mit Manipulation in die freie Richtung und in Boppard, die auf der osteopathischen Lehre aufbaute. Die 1966 gegründete Deutsche Gesellschaft für manuelle Medizin (DGMM) sorgt seither für eine kritische Überprüfung und Weiterentwicklung der Techniken sowie für eine entsprechend der modernen naturwissenschaftlich orientierten Medizin fundierte Lehrgrundlage. Durch die Vergabe von Lehraufträgen für manuelle Medizin an orthopädischen Lehrstühlen deutscher Universitäten wird allen Ärzten eine sachliche Schulung über die diagnostischen Möglichkeiten, Wirkungsweisen und therapeutischen Handgriffe der manuellen Therapie ermöglicht.

In aller erster Linie werden damit Ärzte angesprochen, die sich besonders mit mit den Erkrankungen und Störungen des Haltungs- und Bewegungsapparates befassen. Dies sind hauptsächlich Orthopäden, die als erste den Erwerb der Zusatzbezeichnung „Chirotherapie“ in ihre Facharztweiterbildung aufgenommen haben.
Unbedingte Voraussetzung zur Ausbildung in manueller Medizin ist naturgemäß die genaue Kenntnis der anatomischen und physiologischen Grundlagen.
Die manuelle Therapie oder auch Chirotherapie ist nicht allein eine Behandlung, um eine gestörte Gelenkfunktion („Blockierung“) wiederherzustellen, sondern auch eine Möglichkeit zur Unterbrechung eines krankhaften Reflexgeschehens auf natürliche Weise.

Es handelt sich um eine auf einer gezielten Diagnostik aufbauenden funktionellen Therapie. Mit Hilfe von Manipulationen, Mobilisationen und neuromuskulären Behandlungstechniken werden Wirbelsäulen- und Gelenkerkrankungen mit Funktionsstörungen positiv beeinflusst und therapiert. In einem Gesamtkonzept von physikalischen, krankengymnastischen und auch medikamentösen Maßnahmen verstärkt auch umgekehrt die Chirotherapie die Wirkungsweisen der einzelnen Methoden gegenseitig.

Zusätzlich ist gerade in der Sportmedizin die Chirotherapie äußerst hilfreich, da es sich häufig um Muskelverletzungen handelt, die ihre Ursache nicht selten in chronischen Gelenkfehlstellungen oder Überlastungssyndromen haben. Bei manueller Beseitigung dieser Probleme ist ein effektiverer Trainingseffekt, höhere Leistungsfähigkeit und geringere Verletzungsanfälligkeit zu beobachten.
Aus all diesen Gründen stellt die Chirotherapie für mich insbesondere ein funktionell exaktes und diagnostisches Verfahren sowie eine schonende und gezielte Therapieform dar.